Räume dein Leben auf – Ordnung schaffen mit ADHS & Autismus
Viele Menschen mit AD(H)S kämpfen mit Unordnung – im schlimmsten Fall entwickelt sich daraus eine Messie-Störung. Der Grund? Ein Mangel an Selbstorganisation und Zeitmanagement macht es schwer, Strukturen zu etablieren und langfristig beizubehalten.
Kurzfristig aufzuräumen ist oft möglich, aber nach kurzer Zeit kehrt das Chaos zurück. Warum ist das so? Und wie kann man nachhaltig Ordnung in sein Leben bringen?
Wenn das Chaos regiert – aus dem Nähkästchen geplaudert
Ich bin da leider keine Ausnahme. Egal ob Briefe, Werkzeuge, Dokumente oder Einkäufe – wenn ich nicht bewusst darauf achte, versanden meine Bemühungen und gefühlt ist es nachher schlimmer als vorher und von Aufräumen bin ich nicht wirklich ein Fan.
🔹 Bei anderen kann ich Ordnung problemlos einhalten.
🔹 In meinem eigenen Büro sieht es oft anders aus – ein Schreibtisch voller Dinge, Schubladen chaotisch gefüllt.
🔹 Ohne klare Regeln entstehen Trampelpfade durchs Chaos – und das meine ich wörtlich!
Für virtuelle Meetings nutze ich einen Greenscreen. Nicht, weil ich meine Privatsphäre schützen will, sondern weil sich hinter mir Kartons stapeln, deren Inhalt noch keinen festen Platz gefunden hat.
Jeder Stapel ist eine Phase
Lange wusste ich nicht, warum meine Ordnung so funktioniert. Der Schlüssel? Ich existiere in Phasen.
🔹 Ich suche Dinge nicht nach dem, was sie sind, sondern nach wann ich sie zuletzt benutzt habe.
🔹 Mein Ordnungssystem spiegelt meine Denkweise wider: ein mentaler Stapel pro Zeitperiode.
🔹 Mit jedem Lebensjahr kommen neue Stapel hinzu – und irgendwann wird es schwer, den Überblick zu behalten.
Dieses Prinzip gilt nicht nur für Gegenstände, sondern auch für digitale Daten. Wer sich hier wiedererkennt, kennt das Problem: Je mehr sich ansammelt, desto schwerer wird es, eine neue Struktur zu etablieren.
Saubere Umgebung = klare Gedanken
Ich liebe minimalistische, aufgeräumte Umgebungen. Wenn alles geordnet ist, passiert etwas Spannendes:
✅ Ich bin ruhiger und entspannter.
✅ Mein Kopf sprudelt vor Ideen.
✅ Ich empfinde eine tiefe innere Ruhe bei maximaler Kreativität.
Aber gleichzeitig entsteht ein Konflikt: Mein ADHS liebt das Chaos – mein Autismus liebt die Ordnung.
Die Diagnose als Schlüssel zum Verständnis
Erst meine Diagnose brachte Klarheit:
🔹 Ich brauche Ordnung, weil sie mir Ruhe und Kraft gibt.
🔹 Aber mein „Eichhörnchen-Gehirn“ sorgt dafür, dass ich beim Aufräumen ständig abgelenkt werde.
🔹 Ich fange an, Dinge neu zu sortieren, statt sie wegzuräumen.
Mit diesem Wissen kann ich gezielt an einer Lösung arbeiten. Ich lerne, mich von unnötigen Dingen zu trennen, sie sinnvoll zu strukturieren und Ordnung langfristig zu halten.
Der Weg ist das Ziel? Nein, das Ziel ist das Ziel!
Früher habe ich mir radikale Pläne gemacht – die dann scheiterten. Heute gehe ich es anders an:
🔹 Statt „Ich gehe jetzt dreimal pro Woche ins Fitnessstudio!“ starte ich mit einem Trainingstag.
🔹 Nach und nach baue ich Gewohnheiten auf – heute gehe ich dreimal pro Woche ins Studio und einmal schwimmen.
🔹 So bleibt die Routine langfristig bestehen.
Mit Ordnung ist es genauso: Statt alles auf einmal umzukrempeln, schaffe ich nachhaltige Strukturen und räume Altlasten auf.
Es wird erst schlimmer, bevor es besser wird
Das größte Hindernis? Ungeduld.
🔹 Es geht nie schnell genug.
🔹 Es ist nie perfekt genug.
🔹 Und manchmal fühlt es sich an, als würde das Chaos erst schlimmer, bevor Besserung eintritt.
Aber genau das ist Teil des Prozesses. Jeden Tag ein bisschen – dranbleiben, ergänzen, anpassen.
Diese Woche schließe ich nach über zehn Jahren endlich das Aufräumen meines Büros ab. Und die Ablage folgt nächste Woche. Oder übernächste. Und das ist okay.
Ich nehme mir nicht mehr zu viel auf einmal vor – und genau das funktioniert für mich.